„Steve Jobs rotiert in seinem Grab wenn er das sieht“

steve jobs portrait

Alles und jeder der mit der Zeit erfolgreich wird, ist im Laufe der Zeit mit einem mehr oder weniger starken Shitstorm konfrontiert. So natürlich auch Apple in den vergangenen Jahren, denn wie einige Fans, Kritiker und Neider behaupten, ist seit dem Tod von Steve Jobs „die Luft raus“. Nach der Vorstellung neuer Apple-Produkte liest man innerhalb diverse Diskussionen nicht selten Sätze wie „Steve Jobs rotiert in seinem Grab“ oder „Mit Steve wäre das nicht passiert“. Doch ist das wirklich so? Ist Apple den seit dem 5. Oktober 2011 so viel anders als noch zuvor? Ich sage ja!

Rückblick

Seitdem Apple im April 1976 von Steve Jobs und seinen Freunden in einer Garage im Silicon Valley gegründet wurde, durchlebte die Firmengeschichte einige höhen und tiefen. Nicht zu vergessen ist dabei der rauswurf von Steve aus seinem eigenen Unternehmen und der sich damit anbahnende Untergang von Apple im Jahr 1985. Er gründete nach seinem rauswurf NeXT, eine weitere erfolgreiche Computerfirma, und machte mit Pixar als Geschäftsführer gutes Geld. In der Zwischenzeit stand Apple 1996 kurz vor der Übernahme größerer Computerhersteller wie z.B. Hewlett Packard, kaufte aber dann überraschend die Firma NeXT.

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Ohne Bill Gates wäre Apple vielleicht schon vor der Jahrtausendwende gescheitert.

 

Innerhalb der nächsten drei Jahre kehrte Steve mehr und mehr zu seinem alten Posten als CEO zurück. Doch damit war das angeschlagene Unternehmen nicht gerettet. Ein bahnbrechendes Produkt fehlte bis zu diesem Zeitpunkt noch immer. Bevor in der Firmenzentrale von Apple wieder alles im Lot war, sollte die Rettung jedoch durch den größten Rivalen Microsoft erfolgen. Bill Gates half Apple mit einer 150 Millionen Finanzspritze 1997 endgültig aus der Krise.

Steve Jobs Geschichte und Lebensweg ist zu Umfangreich und Tiefgründig als das man sein Leben in ein paar Absätzen resümieren kann, jedoch sollte man wissen, dass der Apple-Gründer seine Meinung zu gewissen Dingen hatte. Er legte sehr viel Wert darauf, die Welt mit seinen Geräten zu verbessern. Es ging ihm nicht darum das große Geld zu verdienen. Vielmehr wollte er die, zur damaligen Zeit, die „komplizierten“ IT-Gerätschaften anschaulich, benutzerfreundlich und nicht zuletzt menschlich machen. Zu sagen er war ein Perfektionist trifft es wohl am besten. Mit seinen Keynotes hat er sich schließlich alle Ehre gemacht, sein „One more thing“ und die Weise wie er die Welt beeindruckt hat.

Wenn man glaubte alles zu haben kam Steve Jobs mit einem neuen Produkt daher und lies die Leute glauben, dass ihnen genau dieses Produkt gefehlt hat. Genau das war seine Absicht und wie beispielsweise 2001 erntete er mit dem iPod zwar zuerst spott, da es zu diesem Zeitpunkt schon diverse MP3-Player gab, letztendlich revolutionierte er jedoch den Umgang mit digitaler Musik.

Steve Jobs vor der Geburtsstädte von Apple im Silicon Valley.
Steve Jobs vor der Geburtsstädte von Apple im Silicon Valley.

Die Geburt des iPhone

Erinnern wir uns an das Jahr 2007, in dem Steve Jobs wie ein kleines Kind auf der Bühne steht. Die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben und er weiß genau – das Gerät, welches er gleich vorstellt, wird die Welt verändern und das Internet zu einem Medium, nein einem neuen Maß der Dinge machen, wie es bisher nie dagewesen ist. Wir erinnern uns an die Worte: „An iPod. A phone. And an internet communicator. [..] These are not three separate devices. Are you getting it?“. Die Geburtsstunde des iPhone und zeitgleich eine Erniedrigung aller zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt befindlichen „Smartphones“.

Jahr für Jahr, eine Innovation nach der anderen – immer wieder stark voran getrieben von Steve Jobs. Voller Euphorie schlossen sich in den Jahren Millionen Fans einer Gemeinde zusammen, das iPhone wurde zelebriert, ebenso die Keynotes, Updates und alles drum herum. Steve Jobs hatte sein Ziel erreicht, die Menschen lieben Apple-Produkte – dafür spricht auch die erst kürzlich veröffentlichte Statistik: 98% zufriedene Kunden!

Seit dem Tod von Steve Jobs weht ein anderer Wind

Wenn Steve eine Meinung von etwas hatte, dann war das so. Und wenn jemand seine Meinung nicht teilte war er auf langer Sicht auf der Abschussliste des Apple CEO. Steve Jobs hat Android schon immer verachtet. Für ihn waren das ganze System eine schlechte Kopie von iOS. Genauso wie die Smartphones – diese bezeichnete er mit 4 Zoll als „Skateboard“. Gut, auch wenn wir bis zuletzt noch ein iPhone 5S mit 4 Zoll als Top-Modell bezeichnet haben, ist das iPhone 6 bzw. iPhone 6 Plus wirklich nicht mit seiner Meinung vereinbar. „Keiner kauft ein großes Telefon.“ waren seine Worte.

Apples Finanzen sind eine andere Geschichte. Steve Jobs selbst lehnte eine hohe Bezahlung ab und erhielt auf eigenen Wunsch ein Symbolisches Gehalt von einem Dollar. Nach der misslichen Situation im Jahre 1997 wollte Steve die Aktionäre nie mit einer Dividende erfreuen. Das kam für ihn nicht in Frage. Auch dies ist heute anders – erst vor einigen Monaten hatte Apple seine Aktien neu verteilt um auch Aktionäre am Geschäftserfolg teilhaben zu lassen.

Macbook Air Vorstellung im Jahr 2008.
Macbook Air Vorstellung im Jahr 2008.

Eine Präsentation von Apple war stets ein ausgefeiltes, perfekt einstudiertes und unterhaltsames (Stichwort: „One more thing“) Bühnenprogramm mit einer menge „WOW“-Effekte. iPad, Macbook Air, iMac, Mac mini, Macbook Pro, Jahr für Jahr neue Innovationen und Geräte die eine unglaubliche Beliebtheit genießen – bis heute! Statt auf die Erfolgswelle von Steve Jobs aufzusteigen scheint es, als drehen sich die Verantwortlichen bei Apple im Kreis, zu sehr damit beschäftigt alte Produkte zu pflegen. Strenge Geheimhaltung war übrigens auch eine der vielen Errungenschaften des Apple CEO und sicherten gleichzeitig einen Überraschungseffekt in den Medien. Leider weiß man ja mittlerweile schon vorab sehr detailliert über die Neuankündigungen bescheid.

Es geht um die Details

Traurig aber wahr scheint es zu sein, dass Apple mittlerweile, zumindest im Smartphone-Sektor, versucht, der Konkurrenz  Nachzueifern. Klar: es ist nicht alles schlecht, beispielsweise die unglaublich gute Kamera des iPhone 6, Touch ID, Apple Pay (?) oder die erst vorgestern vorgestellte Smartwatch von Apple. Doch viele Produkte scheinen nicht mit der Hingabe und dem Eifer, wie noch unter der Führung von Steve Jobs, durchdacht und konzipiert zu sein. Die Akkulaufzeit ist gerade eben ausreichend, die Kameralinse steht ab, Lackprobleme am iPhone 5, Bunte Plastik-iPhones, die Präsentation der neue Apple Produkte am Dienstag war voller kleinerer Designfehler und vieles mehr. Es sind eben die kleinen Dinge im Leben und deshalb behaupte ich das all diese und noch viele weitere Dinge so unter Steve Jobs Leitung nicht zustande gekommen wären.

Immer für eine Überraschung gut: Steve Jobs.
Immer für eine Überraschung gut: Steve Jobs.

Besonders hervorzuheben ist die erst jüngt durchgeführte Anpassung der Apple Webseite an mobile Geräte. Steve Jobs hatte eine klare Meinung zu dem Thema Smartphonefreundliche Internetseiten. Für ihn war das iPhone ein vollwertiges Internetgerät. Er wollte keine abgespeckten Internetseiten, sondern die ganz normale Desktopansicht. Tim Cook & Co. waren da wohl anderer Meinung.

Schlusswort

Es wird sich zeigen wie sich die Produktpalette von Apple entwickeln wird. Vielleicht ist eine Smartwatch am Handgelenk in fünf Jahren genau so selbstverständlich wie ein Smartphone in der Hosentasche. Wer weiß das schon? Es bleibt wohl lediglich zu hoffen, dass der Trend zum größeren Display schnell ein Ende nimmt. Ansonsten sind wir bald wieder bei der Größe der ersten „mobilen“ Telefone angelangt.

 

Foto: Matthew Yohe

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