[Erfahrungsbericht] Mit dem FLiXBus nach Hannover

flixbus teaser

Nachdem die Deutsche Bahn im letzten Jahr ihre besonderen Rechte in Sachen Personenbeförderung verloren hat, dominieren sogenannte „Fernbusse“ den Markt der Fernreisen. Die Vorzüge für den Reisenden liegen klar auf der Hand – Fernbusanbieter wie „city2city“, „mein Fernbus“, „ADAC Postbus“, „Eurolines“ oder „FliXBus“ werben mit günstigen Preisen, kostenfreiem W-LAN und einem bequemen Bus. Letzteren Anbieter habe ich mir einmal näher angeschaut und getestet.

Als ich mich vor einigen Tagen dazu entschlossen habe, zur CeBIT nach Hannover zufahren, stand als nächstes die Frage im Raum, wie ich denn dort am besten und vor allem am günstigsten hinkomme. Zuerst habe ich die Preise der Bahn überprüft – rund 80 Euro für Hin- und Rückfahrt sind schon ganz ordentlich. Als nächstes bin ich auf verschiedene Fernbusanbieter gestoßen und habe ich letztendlich aufgrund des Preises für FLiXBus entschieden.

FLiXBus Streckennetz
FLiXBus Streckennetz

FLiXBus ist ein Anfang 2013 gegründetes Unternehmen, welches sich auf den Fernverkehr spezialisiert hat. In Deutschland werden nach eigenen Angaben täglich mehrere Tausend Personen unter der Dachmarke „FLiXBus“ befördert. Gemäß Wikipedia vermittelt FLiXBus „Fahrgäste an lokale, mittelständische Busunternehmen, die eigenwirtschaftlich Fernbuslinien unter dem FlixBus-Markendach betreiben.“

Das Buchen über die Webseite von FLiXBus war sehr einfach und zügig erledigt. Strecke auswählen, Daten eingeben, bezahlen & Ticket ausdrucken. Kostenpunkt für die Strecke Essen – Hannover (Hin- und Rück) 28 Euro – also im Vergleich zu Bahn deutlich günstiger. Rabatte für Schüler oder ähnliches gibt es nicht, lediglich Kinder und Menschen mit Behinderungen fahren bei FLiXBus günstiger.

Los geht’s ab Essen Hauptbahnhof

Es ging also los ab Essen Hauptbahnhof. Die Haltestelle war schnell zu finden, nämlich direkt gegenüber des Bahnhofeingangs. Mit ein paar Minuten Verspätung fuhr der Bus vor und wir wurden nach unseren Tickets gefragt. Das mit dem Smartphone-Ticket (via FLiXBus-App) funktionierte Reibungslos und ersparte mir das Ausdrucken der eTickets. Das Unternehmen wirbt damit im Fernreiseverkehr besonders Umweltfreundlich zu sein, weshalb man darüberhinaus während des Bestellprozess seiner Tickets noch einen Co2-Aufschlag (40 Cent pro Strecke) zahlen und somit zusätzlich einer grünen Umwelt beitragen kann. Dieses zusätzliche „Co2-Ticket“ wollte der Busfahrer (hier fungierend als Kontrolleur) jedoch nicht sehen und hat dieses ignoriert. Eine Begrüßung oder ähnliches gab es nicht, die Worte „Gepäck Hannover rechts und Berlin links) waren die einzigen. Der Bus selbst war ein von FLiXBus gebrandeter Bus und kein „Ersatzbus“. Von Innen war der Zustand „in Ordnung“, jedoch war hier und da schon etwas Dreck und auch auf den Tischen war es sehr krümelig.

Mobiles Internet im Modem-Zeitalter

W-LAN wie es sein sollte...
W-LAN wie es sein sollte…

Ein für mich persönlich extrem negativer Punkt ist, dass man im FLiXBus, sofern man sich überhaupt ins W-LAN einloggen kann, nur sehr eingeschränkt und langsam im Internet surfen kann. Darüberhinaus sind mehrere Seiten wie Bild.de oder YouTube gesperrt. Surfen macht hier wirklich keinen Spaß, weshalb ich dann doch lieber im mobilen Telekom-Netz während der Busfahrt gesurft bin. Auch die beworbenen Steckdosen waren für mich nicht auffindbar. Nicht zwischen oder an den Sitzen, auch nicht im Gang. Auf der Rückfahrt habe ich dann im hinteren Teil vier Steckdosen an der Seite der Sitze gefunden. Blöd natürlich, wenn der Bus dann voll ist und nicht jeder eine Steckdose nutzen kann. Über den Komfort lässt sich natürlich streiten, jedoch hat man im FLiXBus nicht merklich viel mehr Beinfreiheit als im Flugzeug oder im ICE. Ganz im Gegenteil, ich empfand den Komfort im ICE nach Berlin als deutlich angenehmer.

Die Hinfahrt an sich verlief relativ reibungslos, auch wenn wir nach einem unerwarteten verlängertem Zwischenstopp von 30 Minuten mit etwa 60 Minuten Verspätung in Hannover angekommen sind. Der nach dem Zwischenstopp vor Minden eingewechselte Busfahrer war schon wesentlich lustiger als der vorherige. Zwar telefonierte er auf der Autobahn und hupte scheinbar grundlos aber legte uns zumindest eine Mr. Bean-DVD zur Unterhaltung ein.

Rückfahrt ab Hannover Hbf

Nach einem langen Tag auf der Messe ging es Abends auch wieder zurück in Richtung Heimat und wurden schon bei Fahrtantritt von einem alten bekannten begrüßt: Unser Mr. Bean-Liebhaber, der Busfahrer. Ob der nun seit 11 Uhr unterwegs war lasse ich mal so dahingestellt… Der Bus war wieder der selbe wie auf der Hinfahrt – nicht gereinigt. In der Hinteren Reihe war leider auch die Lüftungsdüse defekt, sodass dort ungehindert und dauerhaft Luft ausgetreten ist. Ebenfalls blöd war die voll aufgedrehte Heizung, die zumindest meinen Platz in eine Sauna verwandelt hat. Aber auch diese Fahrt verlief relativ reibungslos und so kamen wir auch fast pünktlich gegen 23 Uhr in Essen an.

Alles in allem hat mich FLiXBus nur bedingt überzeugt. Zwar stimmt hier der Preis, aber die beworbenen Vorteile konnte das relativ junge Fernbusunternehmen nicht wirklich einhalten. W-LAN war so gut wie unbrauchbar, Steckdosen nur in geringer Anzahl verbaut und der Sitzabstand sehr gering. Trotzdem sind Fernbusse mit Sicherheit eine tolle alternative zur vergleichsweise teuren Bahn und dabei schont man auch noch die Umwelt.

Fotos: FLiXBus

  • Nils

    Hey,
    ich hab kürzliche ähnliche Erfahrungen im Flixbus gemacht (http://www.nifab.de/2014/04/mit-dem-fernbus-von-schwenningen-nach-berlin-abenteuer-inklusive/). War auf der Strecke Villingen-Schwenningen – Berlin unterwegs. Was das WLAN angeht, ging es mir ähnlich. Da ist man auf die Netzabdeckung des Mobilen Internets angewiesen, da kann Flixbus recht wenig dafür. Allerdings sollten sie das WLAN auch nicht so groß bewerben, wenn es dann letztenlich doch nur selten funktioniert.
    Was die Steckdosen anbelangt, da sind die Unterschiede zwischen den Linien wohl recht groß. Ich hatte auf Hin- und Rückfahr das Glück, dass unter jedem Sitz eine Steckdose verbaut war.

    • Hallo Nils!

      Danke für deinen Kommentar und den Hinweis auf das WLAN. Stimme dir da auch voll und ganz zu, jedoch ist das der größte (und auch für die meisten wichtigste) Punkt, denn das Unternehmen bewirbt, von daher sollten sie das schon in den Griff bekommen.

      Ansonsten: Schöner Blog und toller Artikel auf deiner Seite!

      LG

Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Meine Meinung zu 4K Fernseher

Der Fernseher hat in den letzten 15 Jahren eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Erinnern wir uns doch alle gerne an die alten Zeiten des Röhrenfernsehers zurück, hat heute fast jeder einen...

Schließen